Ein Trafficrückgang nach dem Livegang einer neuen Seite ist häufig, aber vermeidbar. Was vor und nach dem Launch zu tun ist.
Dass sich der organische Traffic wenige Wochen nach dem Livegang einer neuen Seite halbiert, ist ein Bild, das wir sehr oft sehen. Fast jedes Mal ist die Ursache dieselbe: alte Adressen nicht mit neuen verknüpft, Content-Tiefe verloren oder technische Einstellungen vergessen. Das sind vermeidbare Probleme.
Vor dem Livegang
1. Erstellen Sie die aktuelle Adressliste
Listen Sie über Search Console und die Sitemap alle Live-Adressen auf. Welche Seiten Traffic erhalten, welche ranken — ohne das zu wissen, sollten Sie nicht relaunchen.
2. Erstellen Sie eine Weiterleitungskarte
Bestimmen Sie das neue Pendant jeder alten Adresse. Leiten Sie Seiten ohne Pendant nicht auf die Startseite, sondern auf die Seite zum nächstliegenden Thema. Massenhaft auf die Startseite geleitete Weiterleitungen wertet Google meist als Soft-404 und überträgt keinen Wert.
3. Kürzen Sie den Inhalt nicht
Texte zu kürzen, damit sie „aufgeräumter aussehen“, mag gestalterisch gut wirken, kann aber das Ranking senken. Reduzieren Sie den Inhalt einer rankenden Seite, tun Sie das als bewusste Entscheidung.
4. Übernehmen Sie Titel und Beschreibungen
Ihre bestehenden Title- und Meta-Description-Werte sind bereits erprobt. Übernehmen Sie sie wortgetreu auf die neue Seite; wollen Sie sie ändern, tun Sie das nach dem Launch und einzeln.
Am Launch-Tag
- Stellen Sie sicher, dass Sie das
noindex-Tag aus der Entwicklungsumgebung entfernt haben. Das ist der häufigste und teuerste Fehler. - Prüfen Sie, dass die robots.txt die Seite nicht blockiert.
- Erstellen Sie die neue Sitemap und reichen Sie sie in der Search Console ein.
- Verifizieren Sie, dass Analytics- und Conversion-Tracking-Codes auf der neuen Seite funktionieren.
- Testen Sie die Formulare mit einer echten Absendung — kommt die E-Mail wirklich an?
Die ersten 30 Tage nach dem Launch
Prüfen Sie Crawl-Fehler in der Search Console wöchentlich. Erscheinen Adressen mit 404, fügen Sie Weiterleitungen hinzu. Schwankungen im Ranking in den ersten zwei Wochen sind normal; erholt es sich aber in der vierten Woche noch nicht, liegt ein technisches Problem vor.
Zusammenfassung
Eine Seite zu relaunchen ist kein SEO-Risiko, sondern richtig gemacht eine Chance. Wenn Geschwindigkeit, Mobiltauglichkeit und Content-Struktur besser werden, steigt der Traffic nach dem Relaunch auf den meisten Seiten. Was das Risiko schafft, ist fehlende Planung.
Warum kommt es nach dem Relaunch zu einem Rückgang?
Was bei einem Relaunch verloren geht, ist nicht das Design, sondern angesammeltes Vertrauen. Über die Jahre wurden auf Ihre alten Adressen Links gesetzt, und Google hat diese Adressen bestimmten Suchen zugeordnet. Ändern sich die Adressen, bricht diese Zuordnung. Ohne Weiterleitung verliert Google die alte Adresse und lernt die neue von Grund auf.
Die Größe des Rückgangs hängt meist davon ab: wie viele Adressen sich änderten, wie viel davon Traffic erhielt und wie korrekt die Weiterleitungen eingerichtet wurden.
Die vor der Migration unbedingt zu erledigende Inventur
- Erstellen Sie die aktuelle Adressliste. Search Console und Sitemap zeigen, welche Seiten existieren.
- Notieren Sie, welche Seiten Traffic erhalten. Nicht alle Seiten sind gleich; die Top-20-Seiten tragen auf den meisten Seiten den Großteil des Traffics.
- Speichern Sie die aktuellen Titel und Beschreibungen. Diese im neuen Design zu verlieren, ist eine der stillen Ursachen eines Ranking-Rückgangs.
- Schreiben Sie die neue Adresszuordnung vorab. Welche alte Adresse geht auf welche neue — einzeln, nicht per Vermutung.
Drei häufige Fehler bei der Weiterleitung
- Alles auf die Startseite leiten. Sieht einfach aus, aber Google interpretiert es als „die Seite gibt es nicht mehr“ und überträgt das Ranking nicht. Jede Seite sollte zu ihrem inhaltlich nächsten Pendant führen.
- Ketten-Weiterleitungen. Ketten wie A → B → C verlangsamen und verlieren Wert. Richten Sie A → C direkt ein.
- Eine temporäre Weiterleitung (302) verwenden. Ein dauerhafter Umzug braucht ein 301; ein 302 sagt Google „das ist temporär, halte die alte Adresse weiter“.
Die erste Woche nach dem Livegang
Mit dem Ende der Migration ist die Arbeit nicht vorbei. In der ersten Woche beobachten Sie:
- Abdeckungsfehler in der Search Console — besonders einen Sprung bei „nicht gefunden (404)“.
- Dass die neue Sitemap eingereicht wurde.
- Dass in der robots.txt kein während der Entwicklung gesetzter Block verblieben ist.
- Dass Canonical-Adressen auf die neue Struktur zeigen.
- Dass die Seitengeschwindigkeit gegenüber der alten Seite nicht zurückgefallen ist.
Diese fünf Prüfungen fangen den Großteil der Relaunch-Verluste schon in den ersten Tagen ab.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert der Rückgang nach dem Relaunch?
Bei einer korrekt eingerichteten Migration sind einige Wochen Schwankung normal und erholen sich von selbst. Ein monatelang anhaltender Rückgang ist kein „Migrationseffekt“, sondern ein unkorrigierter Fehler.
Ist es besser, die Adressen gar nicht zu ändern?
Ja, wo möglich ist das der sicherste Weg. Design und Inhalt zu erneuern und dabei die Adressstruktur zu bewahren, nimmt dem Relaunch weitgehend das Risiko.
Soll ich alte Inhalte löschen?
Löschen Sie keinen Inhalt, der Traffic erhält. Ist er veraltet, aktualisieren Sie ihn; ist er wirklich unnötig, leiten Sie ihn auf die nächste relevante Seite weiter. Eine still gelöschte Seite ist sowohl ein Besucher- als auch ein Ranking-Verlust.